Gewohnheiten Teil 1 – Warum wir unliebsame Gewohnheiten nicht so einfach loswerden

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Wir kennen das alle: Wieder Mal zu lange am Computer gesessen, wieder zu viel Kaffee getrunken, die dreckigen Schuhe wieder mal nicht an der Wohnungstüre ausgezogen…
Geht es Ihnen ähnlich? Viele von uns haben ungeliebte Gewohnheiten, die wir am liebsten loswerden möchten. Doch egal wie wir uns auch bemühen, die unliebsame Gewohnheit abzulegen, wir fallen immer wieder in den alten Trott zurück.

Dabei ist es meistens gar keine böse Absicht von uns, dass wir immer wieder in die Falle der unliebsamen Gewohnheiten tappen. Gewohnheiten sind Routinen, die zu uns und zu unserem Leben gehören und sich leider nicht so einfach ablegen lassen.

Im Wissens-Quickie Woher kommen unsere Gewohnheiten ging es um die Frage, was Gewohnheiten sind und wie sie überhaupt entstehen. In diesem Beitrag geht es nun darum, warum wir unliebsame Gewohnheiten nicht so einfach loswerden können.
Im Teil 2, den ich in Kürze veröffentliche, gebe ich Ihnen hilfreiche und konkrete Vorschläge, wie Sie Ihre ungeliebten Gewohnheiten loswerden können.

Gewohnheiten prägen uns

Gewohnheiten gehören zu uns und prägen uns. Und manchmal sind es auch nur winzige Kleinigkeiten, ohne die das Leben einfacher wäre. Zum Beispiel, dass man morgens den Wecker dreimal auf Schlummermodus stellt bevor man endgültig aufsteht, und sich dann mächtig beeilen muss, um pünktlich zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. Oder eine andere, vermutlich weit verbreitete Gewohnheit ist es, dass einige Menschen nicht mit geradem Rücken sitzen, sondern in der ungesunden, nach vorn gebeugten Haltung.
Ich gehöre leider auch dazu.

Viele Menschen versuchen sich ihre schlechten Gewohnheiten abzugewöhnen und stellen fest, dass das gar nicht so einfach ist. Um zu verstehen, warum man eine schlechte Gewohnheit nicht so einfach ablegen kann, müssen wir wissen, wie und warum Gewohnheiten überhaupt funktionieren.

Wie funktionieren Gewohnheiten?

In vielen Fällen sind Gewohnheiten ja unheimlich praktisch, besonders wenn es um alltägliche Gewohnheiten geht. Stellen Sie sich nur mal vor, Sie müssten beim Autofahren, vor jedem einzelnen Schritt überlegen. Schulterblick, blinken, kuppeln, Gang wechseln. Oder Sie müssten die einzelnen Schritte des Zähneputzens überlegen… Das wäre nicht nur unheimlich nervig, sondern auch ziemlich anstrengend. Deshalb sind gewisse alltägliche Gewohnheiten nicht nur sinnvoll, sondern wir sind froh darüber, weil sie uns das Leben enorm erleichtern.

Wenn wir verstehen wollen wie wir Gewohnheiten verändern können, müssen wir zunächst etwas mehr darüber wissen, wie das mit unserem gewohnheitsmäßigen Handeln und Tun eigentlich funktioniert.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in unserem Gehirn einen Bereich gibt
(die sogenannten Basalganglien), in dem unsere Gewohnheiten abgespeichert werden.
Und genau dieser Bereich in unserem Gehirn ist dabei behilflich, dass wir bei gewohnheitsmäßigen Handlungen, nicht jeden einzelnen Schritt überlegen müssen, bevor wir ihn ausführen. Beispielsweise wie wir die Zahnbürste halten müssen oder wie wir vorgehen müssen, um die Geschwindigkeit beim Autofahren zu beschleunigen. So gesehen sind die Basalganglien, also eine unheimlich praktische Einrichtung in unserem Gehirn.

Jedoch gibt es auch eine weniger praktische Seite der Basalganglien. Diese kommt dann zum Vorschein, wenn wir unsere Gewohnheiten ändern wollen. Das Problem ist nämlich, dass wir keinen direkten Zugriff auf die Basalganglien haben, weil dieser Bereich in unserem Gehirn, für unseren bewussten Willen nur sehr schwer zugänglich ist. Das heißt, wenn eine Gewohnheit erst einmal in Gang gesetzt ist, wir uns unheimlich darauf konzentrieren müssen, diese Gewohnheit zu ändern. Ein Beispiel hierfür ist das Zähneputzen. Wenn wir aufgrund einer wunden Stelle im Mund, die Zähne anders putzen wollen als gewohnt, müssen wir uns darauf konzentrieren, dass wir nicht doch mit der Zahnbürste über den wunden Bereich putzen.

Wenn es um Gewohnheiten geht, dann haben die Basalganglien das Kommando.
Wir erinnern uns: Die Basalganglien sind jener Bereich in unserem Gehirn, indem unsere Gewohnheiten abgespeichert werden. Erhalten die Basalganglien einen bestimmten Auslösereiz, dann reagieren sie und setzen automatisch eine gewohnheitsmäßige Handlung in Gang. So kann beispielsweise der Griff zur Zahnbürste der auslösende Reiz sein, dass wir Zahncreme auf die Zahnbürste geben. Oder der Anblick einer Zigarettenschachtel, kann der Auslöser für das Rauchen sein. Auch der Anblick der leeren Wohnung, wenn wir abends nach Hause kommen, kann auslösen, dass wir den Computer einschalten und stundenlang davor sitzen. An diesen Beispielen wird deutlich, dass bereits ein kleiner Auslösereiz ausreicht, um eine gewohnheitsmäßige Handlung – nämlich unsere Gewohnheit – in Gang zu setzen.

Jedoch ist nicht nur der Auslösereiz alleine, für unser gewohnheitsmäßiges Handeln verantwortlich. Hinzu kommt nämlich noch, dass wir jedes Mal wenn wir eine gewohnheitsmäßige Handlung ausführen, ein bestimmtes Verlangen damit stillen. Beispielsweise kann das Rauchen einer Zigarette, das Verlangen nach Entspannung stillen. Oder wenn wir am Computer sitzen, wir uns nicht mehr alleine fühlen. Die Routine einer Gewohnheit, ist also immer eingebettet zwischen Auslöser und Verlangen.

Unsere Gewohnheiten sind erlernt

Irgendwann haben wir gelernt, wodurch eine Gewohnheit ausgelöst wird und welches Verlangen wir mit der Ausführung stillen. Vielleicht haben wir Arbeitskollegen, die das Rauchen einer Zigarette, als Anlass für eine Pause nehmen. Oder wir haben uns mal alleine gefühlt und am Computer gemerkt, dass wir uns beim Surfen im Internet weniger einsam fühlen.

Wenn wir nun dieses Verhalten öfters wiederholen, dann wird es zur Gewohnheit.
Alleine schon der auslösende Reiz und das gestillte Verlangen reichen dann aus, um die Gewohnheit fast zwangsläufig in Gang zu setzen. Und weil wir nicht bewusst auf die gewohnten Handlungen in den Basalganglien zugreifen können, erklärt es auch, warum wir unsere Gewohnheiten so schlecht ablegen können.

Wir wissen also jetzt, woher unsere Gewohnheiten stammen und wie bzw. WARUM sie überhaupt funktionieren. Vermutlich hätten Sie diesen Beitrag nicht bis hierher gelesen, wenn Sie nicht auch die Frage interessieren würde, wie Sie unliebsame Gewohnheiten denn nun loswerden können. Deshalb klären wir jetzt die Frage:

Wie können wir Gewohnheiten wieder loswerden?

Wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen, funktioniert das am besten, wenn wir sie mit neuen Gewohnheiten überlagern. Dazu müssen wir zum einen ein neues Verhalten mit dem auslösenden Reiz verknüpfen. Zum anderen muss das Verlangen möglichst gut erfüllt werden, dass bislang mit der alten Gewohnheit befriedigt wurde. Beispielsweise könnte man einen Freund anrufen, statt sich an den Computer zu setzen, wenn man sich alleine fühlt. Oder wenn man unter Volldampf steht und sich nach Entspannung sehnt, könnte man besser eine Runde laufen gehen, statt sich eine Zigarette anzuzünden. Ist doch ganz einfach. Oder?

Nein, so einfach ist das leider nicht. Denn wenn es theoretisch ja so einfach ist, alte Gewohnheiten durch neue Handlungen zu ersetzen, dann hätten wir praktisch gesehen,
ja alle keine unliebsamen Gewohnheiten mehr. Richtig?

Leider nein. Denn realistisch gesehen ist es leider so, dass die meisten von uns schon erlebt haben, dass sich Gewohnheiten eben nicht so einfach ändern lassen. Es ist eben nicht so einfach, den Computer links liegenzulassen und stattdessen einen Freund anzurufen. Und es lässt sich vermutlich auch einfacher eine Zigarette anzünden, statt die Laufschuhe anzuziehen und loszulaufen. Und das ist so, weil unsere Gewohnheiten ja automatisch ablaufen.

Oft merken wir genau aus diesem Grund viel zu spät, dass wir uns wieder wie gewohnt verhalten. Wir sitzen wieder vor dem Computer, haben wieder die ganze Tüte Chips gekillt oder eine Zigarette angezündet, bevor es uns bewusst wird. Und in dem Moment wo es uns bewusst wird, ist es bereits zu spät; die alte gewohnheitsmäßige Handlung wurde in Gang gesetzt. Der Auslöser war da und dann läuft die Gewohnheit ab, ohne dass wir direkten Zugriff darauf gehabt haben. Sie erinnern sich? Wir haben keinen direkten Zugriff auf die Basalganglien, wo unsere Gewohnheiten gespeichert sind.

Wenn wir also unsere Gewohnheiten loswerden wollen, müssen wir uns zuerst unserer Verhaltensmuster bewusst werden. Denn nur wenn wir uns bewusst machen, warum wir uns jetzt so verhalten, nur dann können wir aktiv eingreifen und unsere Gewohnheit ändern.
Im Klartext heißt das: Sie fühlen sich beispielsweise einsam und wollen wie gewohnt den Computer anschalten. Doch anstatt den Computer anzuschalten, müssen Sie sich darüber bewusst werden, dass das Gefühl Einsamkeit bei Ihnen auslöst, den Computer anzuschalten. Erst mit dieser Bewusstwerdung des alten Verhaltensmusters, können Sie ein neues Verhalten erlernen. Um bei dem Beispiel zu bleiben, könnten Sie beispielsweise stattdessen einen Freund anrufen. Somit hätten Sie die alte Gewohnheit durchbrochen und gegen eine neue Gewohnheit ersetzt.

Bis zur Veröffentlichung des zweiten Teiles, indem es konkret darum geht ungeliebte Gewohnheiten loszuwerden, können Sie jedoch schon einen ersten Schritt unternehmen:

Gewohnheiten erkennen

Wenn wir unliebsame Gewohnheiten loswerden wollen, müssen wir diese zuerst erkennen und auch benennen. Denn wie sollen wir etwas ändern können, wenn wir nicht wissen um was konkret es sich dabei handelt. Manche Ihrer ungeliebten Gewohnheiten werden Ihnen bekannt sein. Aber vielleicht haben Sie auch solche Gewohnheiten, denen Sie sich selbst nicht bewusst sind. Fragen Sie deshalb eine vertraute Person nach unliebsamen Gewohnheiten an Ihnen und wägen Sie dann ab, ob es sich dabei um eine Gewohnheit handelt, die Sie gerne ablegen würden. Die Sicht einer anderer Person kann dabei helfen, Ihnen selbst auf die Spur zu kommen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie ehrlich wissen wollen, ob Ihr Gegenüber eine Gewohnheit an Ihnen als „schlecht“ bewertet. Denn wenn nicht, wird sich Ihr Gegenüber zweimal überlegen, ob er seine Meinung ehrlich äußern will.

Bewaffnen Sie sich mit einem Stift und Zettel und schreiben Sie auf, welche Gewohnheiten Sie gerne loswerden wollen. Lassen Sie sich ruhig ein paar Tage Zeit für Ihre Liste, denn besonders in Ihrem Alltag versteckt sich vielleicht die ein oder andere unliebsame Gewohnheit, die Sie auf Ihre Liste schreiben können.

Beispiele aus meiner unliebsamen Gewohnheiten Liste

Ich neige leider dazu, am Schreibtisch mit nach vorn gebeugten Rücken zu sitzen.
Auch suche ich öfters mein Telefon, weil ich es nach einem Telefonat nicht immer wieder zurück in die Ladestation stelle. Und eine ganz ungeliebte Gewohnheit ist es, dass ich leider zuviel Kaffee trinke.

Also steht auf meiner Liste:

  • Mit geradem Rücken am Schreibtisch sitzen.
  • Telefon wieder zurück in die Ladestation stellen.
  • Weniger Kaffee trinken.

Wenn Sie Ihre Liste erstellt haben, dann haben Sie Ihren unliebsamen Gewohnheiten einen Namen gegeben. Das ist bereits der erste Schritt, um diese loszuwerden.

Falls es Ihnen nicht leicht fällt, Ihre unliebsamen Gewohnheiten auf die Spur zu kommen, können die folgenden Schritte hilfreich sein.

Schritt 1: Das Problem dingfest machen

Meistens gibt es den einen oder anderen Auslöser für unsere Gewohnheiten. Das kann ein Verlangen nach etwas Bestimmen sein, oder ein aktueller Bedarf. Welcher Auslöser ist es bei Ihnen?

Schritt 2: Die Gewohnheiten unter die Lupe nehmen

Beobachten Sie sich selbst. Wie handeln Sie in bestimmten Situationen? Wie denken Sie über bestimmte Dinge? Schreiben Sie auf, ob Sie bei Ihnen Muster und Gemeinsamkeiten erkennen, die auf eine Gewohnheit hindeuten.

Schritt 3: Die Gewohnheit bewerten

Entscheiden Sie: Welche Verhaltensweisen möchten Sie behalten? Welche nicht?
Fragen Sie sich, was Ihnen gut tut und was Sie gerne beibehalten und stärken möchten.
Und überlegen Sie, womit Sie anderen Schaden zufügen, welche Verhaltensweisen Sie also loswerden oder verändern sollten.

Schritt 4: Die Ursache für die Gewohnheit erkennen

In der Regel hat jede Gewohnheit einen Sinn. Und so wird es irgendetwas geben, was Ihnen die Gewohnheit gibt. Denn sonst hätten Sie sie ja längst über Bord geworfen.
Viele Gewohnheiten sind auch Bestandteil ganzer Abfolgen und Handlungsketten.

Beispielsweise steht die Zigarette, die Sie sich anzünden bevor Sie ans Telefon gehen, nicht für sich alleine. Sie gehört zu einem Set von Abläufen, wie Sie sich in einer bestimmten Situation verhalten.
Versuchen Sie, diese Abfolgen und auch den Nutzen aus Ihren Verhaltensweisen zu erkennen. So erkennen Sie den Sinn, den Ihnen die Gewohnheit gibt.

Schritt 5: Vergleiche mit Idealen

Vielleicht haben Sie ein Ideal vor Augen, wie Sie sich „eigentlich“ verhalten wollen oder wie etwas ablaufen sollte? Doch leider läuft es nicht so? Halten Sie Ihr Selbstbild und das Idealbild übereinander, lassen Sie die Bilder wie dünnes Pergamentpapier überlappen und schauen Sie, ob Sie Unterschiede und somit Ihre Gewohnheiten erkennen.

Schritt 6: Bringen Sie anderen Ihre Gewohnheiten bei

Um wirklich sicher zu gehen, dass Sie unter dem Pergamentpapier die Umrisse Ihrer eigenen Muster erkennen, können Sie einen Trick anwenden: Stellen Sie sich vor, Sie müssten jemand anderen beibringen, genau das zu tun, was Sie auch tun. Sich also beispielsweise jedes Mal, wenn das Telefon läutet, eine Zigarette anzünden.

Wenn Sie genug Selbstkritik besitzen, wird Ihnen nicht nur dieses Verhaltensmuster schreiend ins Auge springen. Sie könnten vielleicht auch zu dem Schluss kommen, das dieses Verhalten nur wenig bis gar keinen Sinn macht und Ihnen eher schadet als nutzt.

Ich wünsche Ihnen viele gute Erkenntnisse, beim Aufspüren Ihrer Gewohnheiten.

♥ lichst, Ihre Claudia Bäumer

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Veröffentlicht von

Claudia Bäumer | Lebensduft-Coaching-Blog

Als Hypnotiseurin, Persönlichkeitstrainerin (Coach) und Mentalheilerin, begleite ich Menschen in Umbruchsituationen und schwierigen Lebensphasen und auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten, zufriedenen und erfüllten Leben. Meine Umsetzung hierzu ist, zu innerer Stärke und Ausgeglichenheit zu gelangen, persönliche Ziele zu reflektieren und selbstbestimmt umzusetzen, die eigene Lebensqualität zu verbessern und das Leben mit all seinen Möglichkeiten, von einer neuen Seite aus zu betrachten. Auf meiner Webseite & Blog LEBENSDUFT.NET möchte ich einen kleinen Beitrag zur Selbsthilfe leisten und Wege aufzeigen, mit all den Düften des Lebens freier, bewusster und entspannter zu leben. Denn jeder Mensch ist dazu bestimmt, auf allen Ebenen des Seins, glücklich, zufrieden und erfüllt zu leben! Herzlichst, Ihre Claudia Bäumer

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